Wie im Himmel

Heidenfeld/Schweinfurt – „Das Leben feiern“ ist ein gutes Motto für das Jubiläum der Schweinfurter Palliativstation des St. Josef Krankenhauses.

Auf den ersten Blick mag das befremdlich klingen, schließlich werden dort auf der Palliativstation schwer erkrankte und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase umsorgt. Doch ist das letzte Wort ganz bewusst gewählt:

Im Mittelpunkt der ganz besonderen Arbeit, die Chefärztin Dr. Susanne Röder und ihr Team leisten, steht nämlich nicht die rein kurative Medizin, sondern die ganzheitliche Betrachtung des erkrankten Menschen und der kollektive Wunsch, ihm ein möglichst großes Mehr an Lebensqualität zu sichern, oft auch noch für eine längere Zeit im Anschluss daheim. Keine leichte Aufgabe, dafür muss einem das Leben am Herzen liegen, wie Generaloberin Schwester Monika Edinger in ihren einleitenden Festworten ganz wunderbar den Bogen zur Spiritualität der Erlöserschwestern schlug, deren Kongregation Träger des Krankenhauses ist.

Für viele Schwerkranke ist der Aufenthalt ein Segen, „fast wie im Himmel“ bezeichnete kürzlich eine Patientin ihren Eindruck von der Station, für Chefärztin Röder und ihr Team das schönste Kompliment. Seit 2002 sind in der ehemaligen Knüpffer’schen Geburtsklinik „Geburt und Tod ein Paar“, wie Moderator und Krankenhausdirektor Martin Stapper die ungarische Künstlerin Gitta Mallasz zitierte. Mittlerweile ist die Palliativstation eine Selbstverständlichkeit und längst kein „Schreckgespenst“ mehr, wie es der Würzburger Palliativmediziner Dr. Rainer Schäfer in seinem grandiosen Vortrag „Palliativmedizin - quo vadis“ attestierte, wohl aber eine hochqualifizierte Institution, die dem Sterben ein wenig den Schrecken nimmt.

Allerdings gibt es auch dort kein Sterben erster Klasse mit optionaler Reservierungsgarantie für einen möglichen späteren Bedarfsfall, wie bei Schäfer tatsächlich schon angefragt und erst recht keine „sozial-romantische Spielwiese für  esoterisch angehauchtes Personal“, das mit Klangschalen dem Tod eine Schippe schlägt. Vielmehr agieren wie in Schweinfurt hochqualifizierte Fachkräfte, die Patienten, aber auch Angehörige, unterstützen,  auffangen und aufrichten, das hat wohl jeder schon erlebt, der einen lieben Menschen in einem der zehn Einzelzimmer besucht hat.

Doch vieles ist noch zu tun, der demografische Wandel ist gerade in der Palliativmedizin ein großes Thema. Sterben müssen wir alle, die Frage ist nur wann, wie und wo. Die medizinische Versorgung ist gut und die Menschen werden immer älter, viele wollen daheim sterben, darauf müssen Gesellschaft und Politik reagieren, sagt Palliativmediziner Schäfer. Die Entscheidungen sind nicht immer leicht und oft emotional besetzt, wie die frisch wiedergewählte Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber in ihrer Festrede erklärte. Vor der Bundestagsentscheidung zur aktiven Sterbehilfe hat sie trotz bereits gefasster Meinung bei Dr. Röder Rat eingeholt. Und auch die stellvertretende Landrätin Christine Bender fand sehr persönliche Worte des Dankes für die emphatische und engagierte Schweinfurter Palliativarbeit.

Kommunikationskompetenz ist der Schlüssel zum Erfolg meint Palliativmediziner Schäfer und legt dabei besonderen Wert auf das Einbringen von Erfahrungen aller Bereiche. Mit einem Ausbau der Versorgungsleistungen reagieren aktuell die beiden Schweinfurter Krankenhäuser St. Josef und Leopoldina auf den gestiegen palliativmedizinischen Bedarf. Gemeinsam bauen sie gerade eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) auf, die voraussichtlich ab Januar 2018 mit einem interdisziplinären Team das bestehende Angebot ergänzt.

Weiter im Einsatz ist auch das Brückenteam, das die Verbindung zwischen Palliativstation und zuhause bildet. Apropos Brückenteam: das gäbe es ohne den mittlerweile 425 mitgliederstarken Förderverein nicht. Untrennbar mit der Palliativstation  verbunden, sind im Laufe der vergangenen 15 Jahre unglaubliche 1,4 Millionen Euro in zusätzliche Therapien, gestalterische Investitionen und eben das Brückenteam geflossen. Es lohnt sich also, in Bewegung zu bleiben und auch mal unkonventionelle Wege zu beschreiten, sagt die Fördervereinsvorsitzende Ursula Pöpperl und der freundschaftlich-ehrliche Umgang der Gäste, ein „bunter Haufen“ unterstreicht das.

Viele ziehen seit Jahren am gleichen Strang für eine einer optimale palliative Versorgung und so ist das abschließend gemeinschaftlich besungene „Superteam“ der perfekte Schlusspunkt. Den weiteren wunderbaren klanglichen Rahmen für die stimmungsvolle Veranstaltung mit Dankgottesdienst und gemütlichem Beisammensein setzte die Troubadoura Karan mit ihren Liedern fürs Leben, die übrigens auch am Mittwoch, 4. Oktober begleitet von Sven Scholz (Cajon) um 19.30 Uhr in der Disharmonie ein Benefizkonzert zugunsten der Palliativstation gibt.  

 

15 Jahre erfolgreiche Palliativarbeit sorgte bei Dr. Rainer Schäfer (Chefarzt Juliusspital, Ursula Pöpperl (Vorsitzende Förderverein), Martin Stapper (Krankenhausdirektor St. Josef), Generaloberin Sr. Monika Edinger, Dr. Susanne Röder (Chefärztin Palliativstation, St. Josef) und Schweinfurts 3. Bürgermeister Karl-Heinz Kauczok für fröhliche Gesichter.

 

Zahlen und Fakten Stand 2016 (in Klammern Vergleich 1998)

  • mehr als 300 Palliativstationen (43)
  • 240 stationäre Hospize (58)
  • 1500 ambulante Hospizdienste (500)
  • Über 300 Teams für Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV)
  • 10 Lehrstühle für Palliativmedizin

Mehr als 100.000 Menschen unterstützen ehrenamtlich, bürgerschaftlich oder hauptamtlich die Arbeit für schwerstkranke und sterbende Menschen.

Quelle Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V

 

Artikel und Bild von Daniela Schneider

 

Zu den News